In vielen Unternehmen existieren produktbezogene Daten fragmentiert über verschiedene Systeme und Abteilungen verteilt. Material-, Herkunfts- und Nachhaltigkeitsinformationen sind nicht immer zentral erfassbar, was zu Transparenzmängeln, Compliance-Problemen und ineffizienten Prozessen führt, besonders im Kontext steigender regulatorischer Anforderungen.
Der Digitale Produktpass (DPP) stellt sich genau diesen Herausforderungen. Er unterstützt Unternehmen, Produktdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg zentral zu verwalten und damit Transparenz, Nachhaltigkeit und Compliance zu sichern. Mit den richtigen Systemen, insbesondere PLM-Lösungen wie Autodesk Fusion Manage, wird der DPP nicht nur zur Pflicht, sondern zum strategischen Geschäftsermöglicher.
Was ist der Digitale Produktpass und wann kommt er?
Der Digitale Produktpass ist ein EU-weites Instrument der Ökodesign-Verordnung (ESPR), das die digitale Kennzeichnung von Produkten regelt. Der DPP fungiert als eine Art digitale „Identitätskarte" für Produkte und erfasst Informationen über:
- Materialzusammensetzung und Herkunft der Rohstoffe
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten wie CO₂-Fußabdruck und Ressourceneffizienz
- Reparierbarkeit und Haltbarkeit des Produkts
- Recycling- und Entsorgungsinformationen
- Konformitätsnachweise und technische Dokumentation
Diese Informationen werden über einen QR-Code oder NFC-Tag auf dem Produkt zugänglich gemacht und richten sich an Verbraucher, Geschäftspartner und Regulierungsbehörden.
Zeitplan: Schrittweise Einführung ab 2027
Die Einführung erfolgt gestaffelt nach Branchen und Produktgruppen:
- 2027: Batterien (Batteriepass ab Februar 2027 für Batterien über 2 kWh)
- 2027-2028: Textilien, elektronische Geräte und Bauprodukte
- 2028-2030: Weitere Produktkategorien
Autodesk Fusion Manage - die PLM-Lösung für den Digitalen Produktpass
Autodesk Fusion Manage ist eine cloudbasierte PLM-Plattform, die alle produktbezogenen Informationen zentral verwaltet , von der Entwicklung über die Produktion bis zur Nachnutzung. Sie wird zum Enabler des DPP, indem sie:
- Zentrale Datenverwaltung: Alle Produktdaten (Stücklisten, Materialien, Lieferanten, Nachhaltigkeitskennzahlen) an einem Ort erfasst und aktuell hält
- Lieferantentransparenz: Sichere Datenräume für den Austausch mit Lieferanten schaffen, um DPP-relevante Informationen zu sammeln
- Änderungsmanagement: Alle Produktänderungen dokumentieren und nachverfolgbar machen
- Automatisierte Workflows: Prozesse standardisieren und Fehler reduzieren
Lesen Sie hier mehr über Fusion Manage und PLM
Konkrete Beispiele: Wie PLM den DPP unterstütztBeispiel 1: Batteriepass für E-Fahrzeugbatterien
Elektrofahrzeugbatterien müssen ab Februar 2027 einen digitalen Batteriepass führen. PLM-Systeme dokumentieren den gesamten Lebenszyklus:
Herstellung bis Nutzung: Von der Rohstoffgewinnung über die Zellproduktion bis zur Montage werden alle Prozessschritte, Materialien und deren Herkunft erfasst. CO₂-Emissionen und Arbeitsbedingungen werden dokumentiert.
Beispiel 2: Der Produktpass in der Möbelindustrie
Ab voraussichtlich 2028 wird der Digitale Produktpass (DPP) für weite Teile der Möbelindustrie wie zum Beispiel von Bürostühlen bis zu Matratzen verpflichtend. Für Hersteller bedeutet dies einen Paradigmenwechsel: Produkte müssen künftig nicht nur physisch, sondern auch digital als vollständiges Datenpaket ausgeliefert werden, um die strengen ESPR-Vorgaben für Kreislaufwirtschaft zu erfüllen.
Komplexe Stücklisten transparent machen: Ein moderner Bürostuhl ist ein komplexes System aus Gasdruckfedern, Kunststoffen, Metallrahmen und Textilien globaler Zulieferer. Mit Lösungen wie Fusion Manage wird diese Komplexität beherrschbar: Jede Komponente wird zentral mit ihrer Herkunft, Materialzusammensetzung und ihrem Recycling-Profil verknüpft. Besonders kritisch ist hierbei der lückenlose Nachweis legaler Holzentnahme (EUDR-Konformität) sowie die Dokumentation von Rezyklat-Anteilen. So entsteht eine „Single Source of Truth“, die alle Umweltbilanzen automatisch aktuell hält.
Wartungs- und Reparaturverfügbarkeit sichern: Hochwertige Möbel sind für eine intensive Nutzung konzipiert. Eine zentrale Anforderung der neuen Regulierung ist daher, dass funktionale Ersatzteile (wie Rollen, Armlehnen oder Polster) für einen der Produktklasse angemessenen Zeitraum verfügbar bleiben. Über das PLM-System werden Serviceanleitungen zentral gepflegt und Verfügbarkeitsinformationen direkt im DPP bereitgestellt. Kunden können so schnell prüfen, welche Komponenten austauschbar sind. Für gewerbliche Kunden wie Hotelketten sichert dies die langfristige Werterhaltung, da gezielt defekte Teile ersetzt werden können, statt ganze Möbelstücke zu entsorgen.
Kreislaufwirtschaft als Wettbewerbsvorteil: Am Ende des Lebenszyklus ermöglicht der DPP durch klare Demontageanleitungen die saubere Trennung von Holz, Metall und verklebten Stoffen. Der Hersteller liefert somit nicht nur ein Möbelstück, sondern ein vollständig dokumentiertes Ökosystem. Über einen einfachen QR-Code erhalten Kunden und Verwerter Zugriff auf alle Daten und das schafft Vertrauen, garantiert Compliance und reduziert Support-Anfragen drastisch.
Die Demoseite des Digitalen Produkt Passes:
Zur praktischen Vorbereitung hat GS1 Germany eine interaktive Demoseite entwickelt:
Diese Demonstratoren zeigen live, wie digitale Produktpässe für verschiedene Branchen erstellt und genutzt werden:
- Textilien (Jeansjacke): Materialherkunft, Pflegeanweisungen, Recyclingoptionen
- Elektronik (Akku-Bohrmaschine): Ersatzteile, Reparaturanleitungen, technische Spezifikationen
- Batterien (E-Bike-Batterie): Kapazität, Lebenszyklusdaten, zweites Leben
- Bauprodukte (Fenster): Langlebigkeit, Wartung, Recyclingfähigkeit
- Wasch- und Reinigungsmittel: Inhaltsstoffe, Sicherheit, Entsorgung
Die Demoseite illustriert den gesamten DPP-Prozess: Dateneingabe, QR-Code-Erstellung, Scan-Erlebnis für Verbraucher und die Nachverfolgung von Reparaturen sowie Recycling-Updates. Unternehmen können damit praktisch testen und verstehen, welche Daten wann und wie zu erfassen sind.

Handlungsempfehlungen: Der Weg zur DPP-Readiness
Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Unternehmen sollten:
- Frühzeitig starten: Erste Branchen (Batterien, Textilien) werden 2027 reguliert , die Vorbereitung lässt sich nicht mehr aufschieben.
- Datensilos auflösen: Mit PLM-Lösungen wie Fusion Manage alle produktrelevanten Daten zentral erfassen und eine Single Source of Truth schaffen.
- Lieferkettentransparenz sichern: Systematisch Lieferanten einbinden und deren Daten direkt im PLM erfassen.
- Prozesse standardisieren: Workflows für Änderungsmanagement, Qualitätsüberwachung und Compliance automatisieren.
- Innovation nutzen: Den DPP nicht als Last, sondern als Chance sehen , für neue Geschäftsmodelle, Kundenvertrauen und operative Effizienz.
Der Digitale Produktpass ist kein isoliertes Label der Zukunft. Mit modernem PLM wird er zur Grundlage einer transparenten, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Wertschöpfung, und zum strategischen Vorteil gegenüber Mitbewerbern.
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