State of Design & Make 2027

Blogdatum
22.09.2026

Digitalisierung, KI, Nachhaltigkeit und Convergence: Wie „Pacesetter"-Unternehmen 2027 den Unterschied machen

Autodesk hat den neuen „State of Design & Make 2027"-Report veröffentlicht, die jährliche globale Langzeitstudie zu den wichtigsten Trends in Architektur, Ingenieurwesen, Bauwesen (AEC), Fertigung (D&M) sowie Medien und Unterhaltung (M&E). Grundlage sind die Einschätzungen von 5.500 Führungskräften und ExpertInnen aus 23 Ländern, ergänzt durch 26 Tiefeninterviews mit BranchenvertreterInnen. Im Zentrum der diesjährigen Ausgabe steht eine neue Kategorie: die Pacesetter, Organisationen, die digitale Reife, KI-Führerschaft und Nachhaltigkeit gleichzeitig meistern und dadurch ihre MitbewerberInnen deutlich hinter sich lassen.

 

Werfen Sie einen Blick auf den vollen Report von Autodesk

 

Der Aufstieg der Pacesetter

Nur 11 % der befragten Unternehmen zählen laut Report zu den Pacesettern, doch ihr Vorsprung ist beachtlich. Im Vergleich zu „Mainstream"-Organisationen sind sie:

  • 34 Prozentpunkte eher der Meinung, auf makroökonomische und geopolitische Störungen vorbereitet zu sein (93 % vs. 59 %),
  • deutlich häufiger über den eigenen Erwartungen bei der Unternehmensperformance (85 % vs. 50 %),
  • und häufiger überzeugt, dass digitale Transformation die Innovationskraft steigert (44 % vs. 29 %).

Entscheidend ist dabei: Pacesetter setzen nicht auf eine einzelne Technologie oder Einzelinitiative. Sie verbinden digitale Grundlagenarbeit, praxisnahen KI-Einsatz, gelebte Nachhaltigkeit und die Vernetzung von Menschen, Daten, Workflows und Know-how über traditionelle Grenzen hinweg.

 

Digitale Transformation: Ein fortlaufender Weg, kein Ziel

98 % der Unternehmen berichten mittlerweile von messbaren Vorteilen durch digitale Transformation, bei Kundenzufriedenheit, Produktivität und Innovation geben zwei Drittel Verbesserungen von mindestens 50 % an.

Bemerkenswert: Der Anteil der Unternehmen, die sich selbst als „digital reif" bezeichnen, ist von 63 % (2024) auf 44 % (2027) gesunken, nicht weil weniger investiert wird, sondern weil sich die Messlatte durch KI, vernetzte Daten und Cloud-Technologien laufend verschiebt. Wie es Jeff Kinder, Autodesk EVP, Product Development and Manufacturing Solutions, formuliert:

 

„Digital maturity is a journey, not a destination. The moment you stop investing, you are already behind."

 

Als größte Hürden für die digitale Transformation nennen Unternehmen weiterhin Zeit, Kosten und fehlende Fachkräfte, wobei 56 % mindestens eine kompetenzbezogene Barriere angeben, gegenüber 37 %, die Kosten als Hauptproblem sehen. Die Botschaft: Nicht mehr die Technologie ist der limitierende Faktor, sondern die organisatorische Fähigkeit, sie zu nutzen.

 

KI: Von der Erprobung zur Umsetzung

Erstmals überhaupt hat die technologische Weiterentwicklung, allen voran KI, das Kostenmanagement als größte unternehmerische Herausforderung abgelöst (Anstieg von 31 % auf 40 % zwischen 2025 und 2027). Drei Viertel der Unternehmen planen, ihre KI-Investitionen in den kommenden drei Jahren weiter zu erhöhen.

Gleichzeitig zeigt sich: Investition allein reicht nicht. Nur 40 % der Organisationen sagen, sie seien ihrem KI-Ziel nahe oder hätten es bereits erreicht, der Rest befindet sich noch in früheren Phasen. Auffällig ist auch der Vertrauenszuwachs: Der Anteil jener, die glauben, KI werde ihre Branche destabilisieren, ist von 48 % (2025) auf 41 % (2027) gesunken, während 73 % überzeugt sind, dass KI ihre Branche stärken wird.

Bei den Skill-Prioritäten zeigt sich ein klarer Trend zur breiten KI-Grundkompetenz statt Spezialwissen: Allgemeines KI-Verständnis liegt mit 37 % klar vor praktischer Tool-Erfahrung (22 %) und KI-Literacy (13 %). Autodesk CTO Raji Arasu bringt die eigentliche Herausforderung auf den Punkt:

 

„AI can tell you what changed on a project, but the harder problem is why the decision was made, when, and what it affects downstream. That context doesn't come from a prompt or a single system, but from understanding how a project's data, people, and decisions relate to one another."

 

Pacesetter unterscheiden sich hier vor allem durch Organisation: 94 % verfügen über dedizierte Teams für KI-Integration (vs. 61 % im Mainstream), 92 % haben vertrauenswürdige Datenpartner (vs. 65 %).

 

Nachhaltigkeit: Vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil

Nachhaltigkeit hat sich endgültig von der Compliance-Aufgabe zur strategischen Chance gewandelt. 67 % der Führungskräfte sagen, Nachhaltigkeit sei inzwischen ein Wettbewerbsvorteil, 71 % glauben, dass entsprechende Initiativen mehr als 5 % des Jahresumsatzes generieren können.

Gleichzeitig bleibt die Umsetzung schwierig: 41 % der Unternehmen geben an, bei ihren Nachhaltigkeitszielen zurückzuliegen, ein Befund, der laut Report weniger auf schlechtere Leistung als auf steigende eigene Ansprüche zurückzuführen ist. Besonders Pacesetter berichten trotz stärkerer Ergebnisse häufiger von Rückständen, weil sie ihre Messlatte kontinuierlich höher legen.

Auffällig ist die enge Verzahnung von KI und Nachhaltigkeit bei den Vorreitern: 53 % der Pacesetter nutzen KI aktiv zur Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen, gegenüber nur 36 % im Mainstream. Autodesk Chief Sustainability Officer Joe Speicher erklärt:

 

„AI is particularly powerful at revealing trade-offs. It can help organizations evaluate cost, carbon, performance, and risk together, and make better decisions earlier, when they have the greatest impact."

 

Convergence: Der Blick über den Tellerrand

Ein neuer Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe ist das Konzept der Convergence, die Fähigkeit, Daten, Workflows, Teams, Technologien und Know-how über den gesamten Design-Make-Operate-Lebenszyklus hinweg und branchenübergreifend zu vernetzen.

75 % der Unternehmen suchen mittlerweile aktiv nach Innovationsimpulsen außerhalb der eigenen Branche, 68 % übernehmen digitale Techniken und Tools aus anderen Industriezweigen. Ein konkretes Beispiel: Grafische Visualisierungstools, ursprünglich in Medien und Unterhaltung beheimatet, werden inzwischen von 64 % der Organisationen außerhalb dieses Bereichs genutzt. Autodesk Chief of Staff Rob Dickins beschreibt die Dynamik so:

 

„Convergence is happening in three ways: across industries, across the lifecycle, and between the digital and physical worlds. Construction needs to become more disciplined like manufacturing, while manufacturing needs to become more flexible like construction."

 

Auch bei der Resilienz zeigt sich der Effekt: Pacesetter verbinden Systeme deutlich häufiger über APIs (91 % vs. 60 %) und bauen so eine Infrastruktur auf, die Informationen und Expertise im gesamten Unternehmen zirkulieren lässt.

 


 

Fazit: Wer verbindet, gewinnt

Der „State of Design & Make 2027"-Report zeichnet ein klares Bild: Der größte Geschäftswert entsteht nicht durch isolierte Einzelinitiativen, sondern dort, wo digitale Transformation, KI, Nachhaltigkeit und branchenübergreifende Vernetzung einander verstärken. Die Pacesetter machen vor, wie das gelingt, mit organisatorischen Kapazitäten, klaren Verantwortlichkeiten und dem Willen, kontinuierlich weiterzulernen.

 

Für Unternehmen in Architektur, Bauwesen und Fertigung heißt das konkret:

  • Digitale Grundlagen sind die Basis, auf der alles Weitere aufbaut, und diese Basis muss laufend weiterentwickelt werden.
  • KI-Kompetenz sollte breit im Unternehmen verankert werden, nicht nur bei Spezialist:innen.
  • Nachhaltigkeit zahlt sich wirtschaftlich aus, wenn sie in echte Entscheidungsprozesse eingebettet wird.
  • Der Blick über die eigene Branche hinaus eröffnet neue Märkte, Produkte und Resilienz.

Die Transformation ist kein einmaliges Projekt mehr, sondern eine dauerhafte Fähigkeit, die es aufzubauen gilt.

 

 

Quellen: State of Design & Make 2027: Industry Trends | Autodesk

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