
PiCri: Wie das neue Plant 3D-Add-on den Rohrleitungsbau spürbar effizienter macht
Wer im Anlagen- und Rohrleitungsbau mit Autodesk Plant 3D arbeitet, kennt die kleinen und großen Reibungsverluste im Alltag: Schraubenlängen, die mühsam von Hand kontrolliert werden müssen, Schweißnähte, die manuell durchnummeriert werden, defekte Verbindungen nach einem Katalog-Update oder die nervige Suche nach der richtigen Leitungsnummer in einer langen Liste. Genau hier setzt PiCri an – ein neues Tool von IntegaDesign, das speziell für den Rohrleitungsbau in Plant 3D entwickelt wurde. Der Name ist Programm: PiCri steht für "Pipe Creation".
PiCri wurde nicht am Reißbrett entworfen, sondern ist aus echten Kundenprojekten heraus gewachsen – häufig aus Situationen, in denen Großprojekte mit tausenden Bauteilen plötzlich an scheinbar simplen, aber zeitintensiven Problemen hingen. Das Ergebnis ist eine Sammlung von Funktionen, die genau dort ansetzt, wo Konstrukteure und Planer im Tagesgeschäft am meisten Zeit verlieren.
Schraubenlängenberechnung, die wirklich robust ist
Plant 3D kann Schraubenlängen berechnen, vorausgesetzt Kataloge und Rohrklassen sind von Anfang an exakt korrekt aufgesetzt. In der Praxis ist das aber nicht immer der Fall: Projekte werden zeitkritischer, Planer erhalten oft nur ein Basic Design und müssen Detailing oder Isometrien übernehmen, ohne dass alle Parameter vorab korrekt im Modell hinterlegt wurden. Die Folge sind fehlerhafte Schraubenlängen über ganze Projekte hinweg.
PiCri liest die hinterlegten Werte direkt aus dem 3D-Modell aus, prüft sie gegen eine konfigurierbare Mapping-Tabelle und trägt die korrekte Länge automatisch ein – inklusive Auf- oder Abrundung je Schraubentyp, was im Standard-SpecEditor von Plant 3D nicht möglich ist. Die Berechnung lässt sich für die aktuelle Zeichnung oder das gesamte Projekt ausführen, optional im Silent-Mode direkt über die Datenbank, ohne einzelne DWGs öffnen zu müssen. Fehlen Modellwerte komplett, übernimmt eine externe Mapping-Tabelle die fehlenden Parameter wie Flanschstärke oder Schraubengröße. Eine zusätzliche Kontrollfunktion zeigt die exakt berechneten Werte zur Gegenprüfung an.
Entstanden ist die Funktion aus einem Projekt mit über 10.000 fehlerhaften Schraubensätzen – ein Aufwand, der sich durch PiCri auf wenige Klicks reduzieren lässt, statt jedes Bauteil händisch zu korrigieren.
Schweißnaht- und Bauteilnummerierung in Flussrichtung
Eine fortlaufende Schweißnahtnummerierung gehört zu den Aufgaben, die in Plant 3D standardmäßig komplett manuell erfolgen. PiCri automatisiert diesen Schritt: Nach Auswahl der Schweißnaht und Definition der Flussrichtung werden alle Nähte entlang der Leitung automatisch durchnummeriert – inklusive der Möglichkeit, bei jeder Feldschweißnaht automatisch eine neue Spool-Nummer zu generieren. Auch Bauteile lassen sich auf diese Weise in Flussrichtung fortlaufend nummerieren. Eine Anzeigefunktion macht die bereits vergebenen Nummern im Modell direkt sichtbar, sodass keine einzelne Schweißnaht mehr angeklickt werden muss, um den aktuellen Stand zu prüfen.
Clipping-Box für performantes Arbeiten in großen Modellen
Wer in sehr großen Anlagenmodellen arbeitet, kennt das Problem: Jede Drehung und jeder Zoom wird träge, sobald zu viel Geometrie gleichzeitig geladen ist. PiCri bringt eine Clipping-Funktion, die einen frei modifizierbaren Bereich definiert und das gesamte Modell – inklusive externer Referenzen – auf diesen Ausschnitt zuschneidet. Innerhalb der Box lässt sich performant weiterarbeiten, etwa um einen Abzweig zu ergänzen, ohne ständig das komplette Modell drehen zu müssen. Über eine zusätzliche XRef-Steuerung lassen sich externe Referenzen zudem gezielt vor versehentlichem Anklicken oder Fangen schützen, was die Fehleranfälligkeit bei der täglichen Arbeit reduziert. Das Clipping lässt sich jederzeit vollständig zurücksetzen.
Automatische Wiederherstellung defekter Verbindungen
Die klassischen "Wassertropfen" in Plant 3D, die auf offene oder fehlerhafte Verbindungen hinweisen, sind ein bekannter Zeitfresser – besonders wenn mehrere Personen mit unterschiedlichem Erfahrungsstand an einem Projekt arbeiten. PiCri durchsucht wahlweise die aktuelle Zeichnung oder das gesamte Projekt nach offenen Verbindungen, zeigt jede Fundstelle mit Sprung-zur-Position-Funktion an und stellt nach Bestätigung automatisch die Verbindung wieder her – inklusive automatischem Schließen kleiner Lücken durch Verlängerung des Rohrs, sofern dies innerhalb einer definierbaren Toleranz möglich ist. Bauteile werden dabei nicht verschoben; das Tool arbeitet ausschließlich mit den vorhandenen Geometrien. So lässt sich gerade in größeren Projekten mit mehreren Bearbeitern schnell wieder Ordnung herstellen, bevor die Isometrie abgeleitet wird.
Neuaufbau bestehender Verbindungen
Ändern sich nachträglich die Verbindungseinstellungen eines Projekts – etwa weil zunächst fehlerhafte Einstellungen zu unerwünschten zusätzlichen Schweißnähten in der Isometrie geführt haben –, müssen normalerweise alle betroffenen Verbindungen neu platziert werden, damit die korrigierten Einstellungen tatsächlich greifen. Die Neuaufbau-Funktion von PiCri übernimmt genau das: Sie baut bestehende Verbindungen anhand der aktuellen Verbindungseinstellungen automatisch neu auf – egal ob Flansch-, Schraub- oder Klebverbindung, auch über externe Referenzen hinweg. Kann eine Verbindung nicht automatisch neu erstellt werden, etwa weil notwendige Parameter fehlen, liefert PiCri einen detaillierten Report, der die genaue Fehlerursache benennt.
Spec-Update-Probleme zuverlässig lösen
Ein Klassiker im Plant 3D-Alltag: Wird ein Katalogbauteil aus der Rohrklasse entfernt und wieder neu hinzugefügt, erzeugt das System dafür eine neue Size Record ID. Das bereits im Modell platzierte Bauteil referenziert aber weiterhin die alte ID – das reguläre Spec-Update findet dann schlicht keine Treffer mehr, selbst wenn die Rohrklasse korrekt aktualisiert wurde. PiCri erkennt diese Diskrepanz automatisch über die Funktion "Link korrigieren", verknüpft die betroffenen Bauteile neu mit der aktuellen Size Record ID und macht damit das reguläre Spec-Update wieder nutzbar – ein Problem, das in der Praxis immer wieder auftritt und ohne dieses Tool oft erst nach langer Fehlersuche auffällt.
Individuelle Farbschemata ohne Projekteinstellungen zu verändern
Die Standard-Farbgebung nach Rohrklasse, Medium oder Größe in Plant 3D gilt immer global für das gesamte Projekt. PiCri erlaubt es, temporär ein eigenes Farbschema zu definieren, um etwa während der Planung schnell zu prüfen, ob eine Leitung durchgängig der richtigen Rohrklasse zugeordnet ist – ohne die Projektkonfiguration zu verändern. Die Standardeinstellung lässt sich jederzeit mit einem Klick wiederherstellen.
Leitungsnummern und Eigenschaften per "Pinsel" übertragen
Abzweige sollen oft automatisch der Leitungsnummer der anschließenden Hauptleitung folgen. Bislang bedeutete das: passende Leitung in einer langen Liste suchen, Nummer notieren oder sich merken, dann jedes betroffene Bauteil einzeln zuweisen – mit entsprechendem Fehlerpotenzial durch Vertippen. PiCri löst das über eine Pinsel-Funktion: Quellobjekt auswählen, Zielobjekte markieren, übertragen – inklusive der Option, nur die Leitungsgruppen-Eigenschaften oder zusätzlich auch den Tag zu übernehmen. Was vorher mehrere Suchschritte und manuelle Eingaben erforderte, ist damit in wenigen Klicks erledigt.
Weitere Helfer für den Planungsalltag
PiCri bringt darüber hinaus eine Reihe kleinerer, aber praktischer Funktionen mit: die automatische Erkennung von Hoch- und Tiefpunkten zur Platzierung von Entlüftungen, die automatische Erkennung von Leitungssäcken zur frühzeitigen Fehlervermeidung, die Möglichkeit, massstabsgerecht eingekürzte 3D-Ansichten direkt auf eine Isometrie zu platzieren, um Monteuren das Lesen der Zeichnung zu erleichtern, sowie eine Extraktionsfunktion für Rohrleitungslängen, Volumen und Oberflächen inklusive Excel-Report – besonders nützlich für Projekte, die nach Rohrleitungsmetern abgerechnet werden. Ergänzt wird das Ganze durch eine automatische Neuberechnung von Stahlbaugewichten nach Profilwechsel sowie Autorouting-Funktionen für Kabeltrassen und Kanäle.
Fazit: Ein Werkzeug für den täglichen Gebrauch
PiCri ist kein Tool, das einmalig ein Spezialproblem löst, sondern eines, das gezielt die wiederkehrenden Reibungspunkte im Plant 3D-Alltag von Rohrleitungskonstrukteuren adressiert: fehleranfällige Schraubenberechnungen, manuelle Nummerierungen, defekte Verbindungen nach Katalogänderungen, träge Performance in großen Modellen und zeitaufwändige Nummern-Zuweisungen. Jede einzelne Funktion mag für sich genommen klein wirken – in der Summe über ein ganzes Projekt hinweg ergibt sich daraus jedoch ein erheblicher Zeitgewinn, der Planern mehr Raum lässt, sich auf die eigentliche technische Aufgabe zu konzentrieren, statt sich mit Software-Eigenheiten herumzuschlagen.
Werfen Sie gerne einen Blick in unsere Produktvorstellung
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